Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe
 
 

Autohaus der Zukunft: vom Händler zum Mobilitätsmanager?

Frankfurt. Vom Automobilhändler zum Mobilitätsmanager: Das ist eine mögliche Zukunft des klassischen Automobilhandels von heute. Darüber hinaus seien weitere Szenarien denkbar, sagte Ulrich Fromme, Vizepräsident im Zentralverband des Deutschen Kfz-Gewerbes (ZDK), bei einem Pressegespräch am 21. Oktober in Frankfurt.

Im Vorfeld des 2. Fabrikatshändlerkongresses, den der ZDK am 22. Oktober in Frankfurt durchführt, wies Fromme darauf hin, dass der gesellschaftliche ebenso wie der technologische Wandel zu Veränderungen beim Kfz-Nachfrageverhalten führen werde. Die Einstellung zum Auto werde sich ebenso verändern wie die Mobilitätsansprüche der Gesellschaft insgesamt. Daraus resultierten besondere Herausforderungen für Automobilhersteller und -händler.

Daher sei zu fragen, ob ein klassisches Autohaus noch eine Zukunftsperspektive habe. Schon heute gebe es in größeren Städten bei vielen Herstellern nur noch eigene Niederlassungen. Und die Anzahl der Direktgeschäfte, beispielsweise an Flottenkunden, nehme zu. „Damit stellt sich die Frage, ob das, was dann noch vom Kuchen übrig bleibt, für ein professionelles Händlernetz ausreichend sein kann, um profitabel zu arbeiten“, so Fromme.

Im Zuge der aufkommenden Elektromobilität seien darüber hinaus auch neue Marktteilnehmer auf dem Vormarsch. So bekomme der Häuslebauer von einem Fertighausunternehmen beim Hauskauf ein E-Fahrzeug dazu, und  ein Energieversorger offeriere ein Paket aus Elektrofahrzeug, Ladestation und Autostromvertrag. Fromme: „Bei einigen dieser Projekte spielt der Autohändler oftmals gar keine Rolle mehr. Bei anderen nimmt der Autohändler eine völlig neue Rolle ein.“

Wie die Zukunft im Automobilhandel aussehen könnte, machte Fromme an drei Szenarien deutlich. Bei der Variante „Weiter so wie bisher“ werde grundsätzlich an den heutigen Strukturen festgehalten. Dies setze jedoch entsprechende Optimierungen dieser Strukturen voraus, um auch weiterhin im Vertrieb Geld zu verdienen. Extremes Gegenbeispiel sei ein kompromissloser Strukturwandel. Wer sich auf die geänderten Mobilitätsansprüche der Kunden einstelle und entsprechend spezialisiere, könne neue Nachfrage auf sich ziehen. Doch dieses Szenario bedeute, sich letztlich komplett von heutigen Strukturen zu verabschieden.

Die wahrscheinlichste Weiterentwicklung beschrieb Fromme als Weg vom Autohändler zum Mobilitätsmanager, der für seine Kunden genau diejenigen Mobilitätslösungen organisiere, die der Kunde an einem bestimmten Tag benötige. Durch eine kontrollierte Geschäftsausweitung über die heutigen Strukturen hinaus könne der Autohandel einen breiten Fuß in die Mobilitätstür von morgen setzen.

Nach Ansicht von Ulrich Fromme würde aber jegliche Weiterentwicklung ohne die Einbeziehung der Automobilhersteller zu nichts führen. „Es sind Tendenzen zu erkennen, dass der Autohandel in den Plänen mancher Automobilhersteller nur noch am Rande vorkommt. Allenfalls wird ihm die Rolle eines Erfüllungsgehilfen in Nischenmärkten zugestanden“, warnte Fromme. Der größere Teil des Kuchens verbleibe bei den Herstellern selbst, oder er lande bei Marktteilnehmern, die bis vor kurzer Zeit noch gar nicht im Autogeschäft aktiv waren.

Daher seien die Autohändler gefordert, gemeinsam Ideen für Vertriebskonzepte zu formulieren, in denen der Automobilhandel vertreten sei, um morgen wieder mit Autos Geld verdienen zu können.

 
Letzte Änderung: 21.10.2010
 
 

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Pressegespräch Fabrikatshändlerkongreß: Ulrich Köster, Ulrich Fromme und Antje Woltermann (v.l.)

Foto: ProMotor